Multi?

Multi?

In der U-Bahn trifft man manchmal schon interessante Menschen, man muss nur die Augen aufmachen und genießen. So wie neulich jemand an dem Bahnsteig stand und in den Zug reinrief: "Ruf nen Krankenwagen!" (was quatsch war) und anschließend einen Stinkefinger zeigte, dann rief "Ruf die Müllabfuhr!" und wieder seinen Lieblingsfinger. Oder die Frau die sich feinsten Heavy-Metal auf's Ohr gelegt hatte, und dabei seelenruhig die Fingernägel feilte.

Diesmal fand ich's einen Blogeintrag wert. Die Begegnung war kurz, aber intensiv, und wie meistens fast einseitig, aber eben nur fast. Aber auf jeden Fall sehr facettenreich.

Mir gegenüber setzte sich ein älterer Herr, ganz gelassen, aber mit etwas wirrer Erscheinung. Er sah aus, wie irgendwie so Naher Osten oder so, dazu ein dickes Buch mit entsprechenden Schriftzeichen, ein T-Shirt mit Irgendwas-USA, eine Hose, als wäre er Maler, aber nur ein bisschen, einen Mantel mit goldenen Knöpfen, die nicht zum Rest passten, und der Mantel war etwas schmutzig, was auch nicht wirklich stimmen wollte. Freeway-Coke, einfache, bequeme Schuhe und, ach, halt insgesamt sehr heterogen.

Er fing an, sehr sehr mühsam Stifte herauszuholen und mit einem einfachen Anspitzer zu spitzen. Er wusste nicht recht, was er mit dem Müll machen sollte, wirkte sowieso bei allem etwas unbeholfen. Dann öffnete er das Buch, es bestand aus vielen Textstücken mit unterschiedlicher Schriftsetzung, aber alles für mich unlesbar. Am Rand waren immer wieder fünfzackige Sterne gekritzelt, z.T. sogar mehrere nebeneinander.

Er schaute das Buch mit Distanz an, als ob er es das erste Mal sieht. Dann unterstreicht er was, und ein sehr ausschweifendes Fragezeichen daneben. Und dann ein Stern. Noch einer. Er blättert um. Stern. Schreibt was auf arabisch oder so, und was unleserlich mit lateinischen Zeichen. Er schließt das Buch und öffnet es auf der anderen Seite. Dort ist eine Seite angekokelt, eine andere ist ein Beistiftportrait einer Frau. Er blättert um und beginnt, auf einer leeren Seite ein neues Portrait zu malen. Sehr abstrakt, und interessante Technik. Ein Bild von mir? Könnte sein.
Bild fertig, Buch zu, mühsam eingepackt. Dann dreht er fix ne Zigarette. Damit hätte ich auch nicht gerechnet. Sehr flinkt und geschickt, in Sekunden. Und mit Filterpapier und abgerissener Pappe. Ich bin geflasht.

Als wir alle aussteigen mussten, hat er mich kurz angeschmunzelt, als wolle er mir sagen: "Na, ich hab dir grad ne Show geboten, wa?"

Ich bin gespannt auf die nächste Episode.

Entertainment bei der Post

Entertainment bei der Post

Ok, ich wollte ein Notebook an eine Packstation geschickt bekommen. Ich bekam eine SMS, in der stand, ich kann's abholen. Nach der Arbeit, spät abends, ich bin am Gerät, an diesem lustigen Kasten, bei dem plötzlich Türen aufgehen, wenn man die Bildschirmfläche berührt. Normalerweise, außer bei mir, weil eben kein Notebook drin war.

Was war der Fehler? In der SMS stand "Bitte holen sie es in der FILIALE ab." In Großbuchstaben. Filiale. Dumm nur, dass PACKSTATION auch groß geschrieben wird. Ich hab's übersehen. Ok, meine Schuld. Egal.

Ich also zur Filiale, am nächsten Samstag. Dort gab's dafür Unterhaltung. Ich kam rein, war's schon im Gange, die lustige Unterhaltung zwischen Kunde und Mitarbeiter.

Leider hab ich den Anfang daher verpasst, aber der Rest war auch toll. Beamter: "Sie wollen mich nicht verstehen, oder? Also, ich gehe jetzt nach da hinten, und wenn ich wiederkomm, sind Sie weg." Sehr geiler Blick vom Kunden. Der Beamte geht zu einem anderen Mitarbeiter, weit weg, und dreht dem Kunden den Rücken zu. Dann sagt er zu diesem: "Hab ich denn heute nur bescheuerte Kunden", laut genug für alle. Der Hammer.

Ein anderer Kunde hat den "Humor" mitgemacht. Als der frustrierte Kunde weg war, stand er da und sagte "Ich bin jetzt da, er ist weg, Sie können wiederkommen."

Mann, Mann...